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Default 16.02.2007, 20:54

Valentino Rossi: "Für die Formel 1 war ich zu langsam"
Der italienische Motorrad-Weltmeister vor dem Saisonstart über Michael Schumacher, seine Nummer 46 und zwei schöne Frauen auf einer einsamen Insel
Wenn Valentino Rossi (26) auf dem Motorrad sitzt, ist er gnadenlos. 140 Grand-Prix-Starts, 68 Siege, sechs WM-Titel in acht Jahren. In lediglich 39 Rennen stand der Yamaha-Fahrer nicht auf dem Siegerpodest. Der Lockenkopf aus Tavullia (Provinz Marken) ist vermutlich der beste Motorrad-Pilot aller Zeiten, quasi ein Michael Schumacher auf zwei Rädern. Die Morgenpost sprach mit dem Italiener, der am kommenden Wochenende in Jerez in die Saison startet.

Berliner Morgenpost: Herr Rossi, Sie sind genau wie Michael Schumacher für den Laureus Sport Award nominiert. Mögen Sie den Vergleich mit dem Formel-1-Weltmeister?
Valentino Rossi: Wenn man mit ihm konkurriert, ist das eine Auszeichnung. Er ist einer der professionellsten Sportler der Welt. Klar mag ich den Vergleich.

Dann wäre es doch sicher auch eine willkommene Herausforderung für Sie, gegen ihn in der Formel 1 anzutreten?
Ehrlich gesagt geht mir das ein wenig auf die Nerven. Ich bin schon hundertmal in die Formel 1 gesteckt worden. Ich bin 26, habe einen fabelhaften Vertrag bei Yamaha, will wieder Motorrad-Weltmeister werden und sonst erst einmal nichts.

Aber Sie haben 2004 im Ferrari auf der Strecke von Fiorano doch eine gute Leistung gezeigt.
Das stimmt nur zum Teil. Ich bin 2004 dort gefahren. Das hat auch extrem viel Spaß gemacht. Aber ich war viel zu langsam. Ich weiß gar nicht mehr genau, wieviel mir gefehlt hat (etwa drei Sekunden pro Runde, d. Red.), aber selbst wenn es nur eine Sekunde gewesen wäre. Mit einer Sekunde Rückstand ist man in der Startaufstellung irgendwo. Ich will doch nicht von vornherein verlieren.

Der Engländer John Surtees hat es geschafft 1964 Formel-1-Weltmeister zu werden, nachdem er vorher viermal Motorrad-Champion war. Glauben Sie, daß so etwas auch heute möglich wäre?
Ich sage nicht definitiv nein. Aber ich kann es mir nicht vorstellen. Die Entwicklung ist so enorm fortgeschritten, daß man Spezialist sein muß für einen der WM-Titel.

Dennoch haben Sie Spaß an Autorennen.
Ja. Ich verfolge die Formel 1 und ich mag ganz besonders Rallyes. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann einmal für Fiat Rallyes zu fahren.

Sie haben das schon mit Erfolg praktiziert.
Ich war mal Dritter bei der Monza-Rallye (in einem Toyota, d. Red). Das war aber keine WM.

Ihre Motorsport-Karriere hat jedenfalls auf vier Rädern angefangen.
Mein Vater und meine Mutter wollten, daß ich Kart fahre. Das ist aber zu teuer geworden und ich mußte aufhören. Zum Glück.

Ihr Vater Graziano war selbst erfolgreicher Motorrad-WM-Starter, hat drei Grand Prix gewonnen.
Er hat mir viel geholfen und er hat sich zum richtigen Zeitpunkt zurückgezogen und mir die Entscheidungen überlassen.

Sie fahren immer noch mit seiner Startnummer 46, obwohl Ihnen die 1 zusteht. Ein Dankeschön?
Zu Anfang nicht, da war es eher so was wie einem Vorbild nacheifern. Als ich dann das erste Mal in der 125er Klasse Weltmeister wurde, bin ich ein Jahr später 250er gefahren. Und beim 250er Titel bin ich in die 500er gewechselt. Weltmeister mit der 1 waren immer Andere, also blieb die 46. Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Und Papa freut sich.

Apropos Vorbild. Sind Sie eines?
Ich glaube, ich bin zu jung für ein Vorbild. Ich weiß auch nicht, ob ich dazu tauge. Ich bin in meinem Sport erfolgreich, okay, aber sonst bin ich wie jeder andere. Nur im ganz normalen Straßenverkehr bin ich vorbildlich.

Nach außen sind Sie immer der Spaßvogel. Nach Siegen sind Sie mit einem Hühnerkostüm, einer aufblasbaren Claudia Schiffer, als Robin Hood oder als Supermann auf die Ehrenrunde gegangen. Machen Sie das wirklich nur aus reiner Freude oder demütigen Sie damit die Konkurrenten?
Ich finde es langweilig, nur grinsend in die Zuschauer zu winken. Demütigen will ich niemanden. Ich will gewinnen, nur das zählt. Und wenn ich jemanden nicht mag, dann sage ich ihm das.

Sie haben in Ihrer Karriere bislang drei Spitznamen benutzt. Erst "Rossifumi", dann "Valentinik" und jetzt klebt auf Ihrer Motorrad-Verkleidung ein "Doctor Rossi". Gibt es dafür eine Erklärung?
Ja. Rossifumi lehnt sich an den Japaner Norifumi Abe an, der mein Vorbild war. Valentinik stammt von Donald Duck. Der heißt im Italienischen Paparino. Das bedeutet Tollpatsch. Aber er verwandelt sich manchmal in Paparinik, einen Superhelden. Also war Valentinik doch toll. Und jetzt, als alter Mann, brauche ich ein gutes Image - wie ein Doktor. Im Ernst. Der Doktor stammt von 2001. Wir hatten da beim Südafrika-Rennen in Welkom eine Kampagne gegen Aids. Und da blieb der Doktor irgendwie an mir hängen.

Wen sehen Sie in der kommenden Saison denn als härteste Konkurrenten?
Sete Gibernau, Max Biaggi, Loris Capirossi und meinen Team-Kollegen Colin Edwards.

Und wer von den Vieren wird Weltmeister?
Die nächste Frage bitte.

Letzte Frage: Wen oder was würden Sie am liebsten auf eine einsame Insel mitnehmen - drei Wünsche haben Sie frei.
Zwei schöne Frauen und ein Boot um wieder wegzukommen. Das würde ich aber erst mal verstecken.
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